Teaching Grammar Creatively

Teaching Grammar Creatively by GŁnter Gerngross, Herbert Puchta and Scott Thornbury, offers more than 50 complete lessons

Erstellen und Beurteilen von Grammatiktests

Grammatik und auch Vokabel und Kollokationen werden nach wie vor kaum anwendungsorientiert, sondern in isolierten Sätzen und nach mechanistischen Regeln, die mit wirklichem Sprachgebrauch wenig zu tun haben, unterrichtet und daher auch so überprüft.

Ein Beispiel dafür ist die angebliche Regel der systematischen Veränderung von bestimmten Adverbien in reported speech. Sie ist jedoch keine syntaktische Gesetzmäßigkeit, sondern hängt ausschließlich von der Sprachsituation ab. Here bleibt here oder wird zu there, je nachdem, wo der Sprecher sich befindet, last year bleibt last year oder wird zu the year before, je nachdem, wie lange in der Realität des Sprechers ein Ereignis zurückliegt. Das Unterrichten (und die Überprüfung) dieser „Regel“ sind unnötig, da wir es mit einer rein sprachlogischen, an den Sprech-/Schreibanlass gebundenen Gegebenheit zu tun haben.

Ein weiteres Beispiel: Die Aufgabenstellung „Frage nach allen unterstrichenen Wörtern“ regt zwar zur schrittweisen, systematischen Anwendung der Gesetzmäßigkeiten der Fragebildung an, die spontane Abrufbarkeit im Kontext wird dadurch jedoch nicht trainiert.

Ein letztes Beispiel: Die Aufgabe, eine Reihe von aktiven Sätzen ins Passiv zu setzen, dient zwar der Festigung der Struktur, hat jedoch mit Abrufbarkeit und adäquater Anwendung dort, wo das Passiv die einzig angemessene Form ist, nichts zu tun und wird sie auch nicht fördern.

Eine solche Überprüfungsform geht damit an den Intentionen eines handlungsorientierten Fremdsprachenunterrichts vorbei. Dieser mechanistische Zugang zu Grammatiküberprüfungen ist eine Erklärung dafür, dass Schüler bestimmte Strukturen zwar während der Schularbeit reproduzieren können, ihr „Wissen“ jedoch nicht im selben Ausmaß Niederschlag in freien Anwendungsformen, also der eigentlichen Kommunikation findet.

Vor allem im Bereich der Syntax ist der Abwechslungsreichtum selbst bei guten Schülern gering, manche Strukturen (Vorzeitigkeit, nuanciertere Anwendung des future, gerunds, etc.) kommen so gut wie nie vor, weil sie isoliert und as ends in themselves unterrichtet und getestet werden.

Ein weiterer Grund für die geringe Nachhaltigkeit von grammar lessons ist, dass bestimmte Strukturen oft zu früh unterrichtet und getestet werden. Dies führt dazu, dass Schüler sie von ihrem lernpsychologischen Entwicklungsstand her nicht wirklich erfassen und in die Kompetenzebene übernehmen können und nur durch mechanistische Eselsbrücken (z.B. Signalwörter bei present perfect) auf der Performanzebene wiedergeben. Dies wiederum erklärt, warum sie in der Anwendung so selten vorhanden, aber auch, warum gerade in diesen Bereichen Fehler so häufig sind.

Jede Grammatikstruktur deckt einen Kommunikationsakt (function) ab. Wenn ein Lerner diese function für die im Unterricht nötige Kommunikation nicht braucht (Grammar taught as an end in itself!) oder ihn kognitiv noch nicht erfassen kann, wird er diese Grammatikstruktur nicht wirklich erwerben und später kompetent anwenden. Strukturen wie der past progressive, der present perfect tense in allen ihren Verwendungen, bestimmten modalen Bezügen oder der Differenzierung in verschiedene Zukunftsformen liegen komplexe logistische Kategorien zugrunde.

Sie in der zweiten bzw. Anfang der dritten Klasse zu unterrichten, ist von den kognitiven Möglichkeiten der Schüler her zu früh. Wenn diese Strukturen zur Bewältigung von Sprachsituationen auf dieser Ebene im Unterricht unbedingt gebraucht werden, ist es weit sinnvoller, sie in kleinen Dosen als lexical items einzuführen, zu üben und zu testen.

Das Grammatikkapitel in seiner Gesamtheit ohne Anwendungsnotwendigkeit zu unterrichten, zu üben und es in einer Aufgabenstellung, die alle Möglichkeiten inklusive aller Ausnahmen enthält, dekontextualisiert zu überprüfen, ist nicht zielführend.

Taken from: http://www.schule.at/dl/UnterstufenpapierVersion20_10_2005oGP.pdf (Richtlinien zur Erstellung und Beurteilung schriftlicher Arbeiten aus Englisch in der Unterstufe)